|
„Das Runde muss ins Eckige“
Die Überschrift ist eine „Binsenweisheit“.
Schließlich muss der Ball ins Tor, klar. Das gelingt mal mehr, mal weniger
gut. Deutschland hatte in mehreren WM-Spielen gleich viermal Erfolg. Bloß
gegen Spanien gelang kein Tor – aus war es mit dem Finale. Vielleicht
hätte eine Erinnerung an den Präsidenten des VfL Bochum Werner Altegoer
geholfen: „Man trifft immer nur dann ein Tor, wenn man auf die Bude
schießt.“ *
Wenn der (Tor-)Schütze das Ziel verfehlt, ist das in der Sprache antiker
Krieger – für uns heute ganz verblüffend - „Sünde“! Im „Spiel des
Lebens“ zielt jeder auch, fragt sich nur: Worauf? Was, wenn man(n) da
nicht trifft? Und hinten soll der Kasten auch noch sauber gehalten werden!
Ganz schön kompliziert, das alles unter einen Hut zu bringen. Oder wie
Mario Basler tiefsinnig festhält: „Wenn der Ball am Torwart vorbeigeht,
ist es meist ein Tor.“ * Mitunter ist das richtige Leben unbarmherziger
als der Fußball, denn: „Im 5-Meter-Raum darf der Torwart nicht angegangen
werden. Da ist er eine heilige Kuh.“ (Franz Beckenbauer) *.
„Geht’s ‚raus,
spielt’s Fußball!“. Auch ein flotter Spruch des „Kaisers“, dem das
Leben scheinbar leicht von der Hand geht. Er gewann als „Teamchef“ mit
seiner Mannschaft 1990 in Rom den Weltmeistertitel.
An diesem Fußball-WM-Wochenende haben 31 Jungen und Männer „sein“
Motto befolgt - bei bis zu 35 Grad im Schatten, den es auf dem Spielfeld
nicht gibt! Abkühlung bot der Swimmingpool der Sportschule
in Werdau
– eine Elixier für geschaffte Kicker.
"Der Trainer ist meist das
ärmste Schwein.“ (Mario Basler) *.
Wenn ein Mannschaft gewinnt, lobt man
die Spieler; wenn sie (dauernd) verliert, wird der Trainer gefeuert. Wie
auch immer – er ist die Schlüsselfigur. Er arbeitet Strategie und Taktik
aus, mit der die Elf zum Erfolg kommen will. Er schaut sich die Gegner genau
an, kennt Stärken und Schwächen seiner Mannen. Der
Trainer beobachtet, analysiert und gibt die Marschrichtung für das Match
vor.
Als Coach spricht er mit der Mannschaft und mit einzelnen Spielern, baut sie
regelrecht auf. Mitunter – in der Kabine – redet er auch auf sie ein. Er
muss handeln, wenn Spieler handlungsunfähig werden – ganz gleich, ob aus
gesundheitlichen Gründen oder wegen einer roten Karte. Denn das Spiel
findet statt, geht weiter, der Sieg wird nicht zu den Akten gelegt...
Wie im richtigen Leben – jeder Tag ist ein neues Match mit offenem
Ausgang. Trotzdem muss ich wissen, was ich erreichen will. Gut,
wer einen erfahrenen Coach hat, der das Leben und die möglichen „Gegner“
kennt, der bei eigenen Handicaps (Ersatz-)Lösungen parat hat. Ein Coach
für alle Fälle – das wär’s! Ob das (m)ein Vater sein kann? Oder
ein anderer Mann?
Ein nachdenkenswerter Satz ist das geflügelte Wort Sepp Herbergers: „Elf
Freunde sollt ihr sein.“ Ob das in Zeiten von Superstars und kickenden
Millionären noch uneingeschränkte Zustimmung findet, ist fraglich. Zu
Beginn der WM – am 10.6.2010 – wollte „Das Erste“ vom „eingedeutschten
Brasilianer“ Cacau wissen, wie er sich gegen seine Konkurrenten (z. B.
Klose) im Sturm der deutschen Mannschaft durchsetzen wird? In seiner typisch
sanften Sprechweise erklärte er:
„Ja, wir müssen ein Gleichgewicht finden zwischen Konkurrenzkampf und
Partnerschaft. Aber wir sind vor allem Dingen ein Team und spielen
miteinander.“ Und füreinander, denn Fußball ist ein Mannschaftsspiel. Da
kann einer glänzen, aber allein gewinnen geht nicht. „Der Star ist die
Mannschaft.“, bringt es auf den Punkt! Die deutsche Nationalmannschaft
jedenfalls hatte sehr gute Spieler, aber keinen „Star“. Und sie hat es
ohne Titel dennoch weit gebracht - zur Freude der Fans.
Gut, wer nicht nur
Kumpel, Kollegen, Kumpane, sondern echte Freunde hat. Freundschaft bedeutet
gepflegte Beziehung, geben und nehmen, hören und reden, vertrauen und
vertrauenswürdig sein. Sie ist auf Dauer angelegt. Ein
treuer Freund ist nicht
mit Geld zu bezahlen, und sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen. (Sirach
6,15) Die Bibel nennt gläubige Menschen Freunde Gottes. Jesus
macht seine Anhänger zu seinen Freunden. Übrigens: Cacau
ist einer von ihnen. Freunde gewinnen. Wer will das nicht?!
*
Zitate aus „Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der
Fußball-Wahrheiten“ von Ben Redelings
Text und Fotos: Norman und Thomas Lieberwirth
|