13. - 15. und 27. - 29. August 2010
auf dem Osterzgebirgskamm

Immer wieder erzählte man(n) sich diese alte Geschichte an den Lagerfeuern im Wilden Westen...

nach Lukas 15, 11-32

Schon viele, viele Jahre ist es her, dass sich der alte Rancher im Tal von „Pintomountain“ mit den grünen Weiden angesiedelt hatte. Er lebte gut und vertrug sich mit allen Nachbarn, nie gab es Ärger.
Auf Rinderzucht war er spezialisiert. Seine Herden wurden von Jahr zu Jahr größer, so dass er Unterstützung brauchte. So verdienten sich ein paar Cowboys bei ihm ihre Dollars.
Auch zu Hause ging es ihm gut. Seine Frau und seine beiden Töchter bereiteten ihm immer wieder große Freude. Besonders wenn die beiden Mädchen im Sattel saßen und die Herde vor sich her trieben. Mann hatte den Eindruck, dass beide auf dem Rücken der Pferde groß geworden waren. Und jetzt, im heiratsfähigen Alter, waren sie natürlich die „Hingucker“ für jeden Cowboy. „Kein Wunder, sie sind mit Stutenmilch groß geworden“, schmunzelte der alte Rancher.
Eines Tages meinte die jüngere der beiden Schwestern:
„Vater, ich möchte die Welt kennen lernen, mal weg aus dem Tal, über die Berge hinüber in Richtung Cantaki. Ich muss raus hier, und dazu brauche ich ein paar Dollars. Bitte teile das Geld auf, was du für uns beide vorgesehen hast.“
Der alte Rancher teilte das ersparte Geld unter den beiden Töchtern auf. Er gab der jüngeren sogar noch ein Packpferd mit, das könnte sie später auch verkaufen. Und dann ritt sie davon. Der Vater schaute dem kleiner werdenden Punkt am Horizont noch eine Weile hinterher.
Die Männer am Feuer erzählten sich die schönsten und wildesten Sachen von Cantaki: Alles war dort möglich, alles gab es, fast alles war erlaubt, eine Welt für alle Sinne. Die Spielcasinos und Saloons waren immer voll, der Handel blühte und trieb auch seine Blüten.
Dann kam es, wie es kommen musste: Ihr Geld wurde weniger, und bald war es alle. Auch der Erlös ihrer beiden Pferde war schnell aufgebraucht. Dann raubte ihr eine Feuersbrunst den Rest. Nur was sie auf dem Leib trug, konnte sie noch ihr Eigen nennen. Arbeit zum Geld verdienen gab es nicht. Zu tun gab es zwar viel, aber niemand konnte bezahlen. Sie hatte Durst und Hunger.
Draußen auf dem Lande, in einer verkommenen Hütte gab es einen Schweinehirten. Alles staubig, trocken und stinkig, Ödland – normalerweise ritt man dort schnell vorbei. Der Hirte war dem Feuerwasser mehr zugetan als den Schweinen. „Hi, du – du kannst hier bleiben, bei den Schweinen, gib acht, dass ihnen nichts zustößt. Aber lass ja deine Pfoten vom Futter und wage es nicht hier etwas zu klauen,“ lallte er. „Und meine Bude kannst du auch wieder mal in Schwung bringen, ist das klar!“ Und dann nahm der Kerl wieder einen Schluck aus der Flasche.
Seine Bude war das Allerletzte vom Letzten. Geruch und Dreck waren kaum auszuhalten.
Da schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf: „
Ich will wieder umkehren, will heimkehren zu meinem Vater – die Cowboys haben reichlich Essen und leben viel besser als ich hier in dem Saustall.“
Noch in der Nacht machte sie sich auf. Müde und abgekämpft war ihr Schritt. Der Weg war weit, aber das Ziel gab ihr immer wieder neue Kraft.
Indes in „Pintomountain“ - der alte Rancher kannte seine jüngere Tochter. Oft ritt er jetzt spät nach Hause. Mann konnte ihn beobachten, wie er fast jedem Tag auf dem erhöhten Felsvorsprung am Tal stand und in die Ferne blickte. Auf einmal war er wie von einer Tarantel gestochen, er gab dem Pferde die Sporen und ritt dem kleinen Punkt am Horizont entgegen. Ja, es war sie, seine jüngere Tochter. Schon am Gang erkannte er sie, jetzt war er nicht mehr aufzuhalten. Er ritt was sein Pferd hergeben konnte, und das gab sich wiederum alle Mühe. Es schien, als merkte es: Gleich würde was ganz Großes passieren.
Der Rancher sprang vom Pferd und lief die letzten Meter zu Fuß ihr entgegen. Ja, es war sein Kind. Er umarmte, küsste sie und hob sie auf.
Sie stammelte etwas von: „...nicht mehr Tochter zu sein und Cowboy...“ Aber all das ließ der Vater nicht zu. Zusammen ritten sie auf seinem Pferd heim, wie vor vielen Jahren, als sie noch ein kleines Mädchen war. Vieles erzählen sich die Leute heute noch am Feuer, was danach passierte. Es soll ein großes Fest gegeben haben mit schönen Kleidern und Schmuck aus Gold. Vom besten Rennpferd wird erzählt und vom Neid der älteren Tochter. Ja sie soll sogar die Ranch später geleitet haben, meinen manche.
Aber ein Satz von der Geschichte wird immer noch am Feuer erzählt:
So wie der alte Rancher auf seine Tochter wartet und sie auf seinem Pferd heim brachte, so wartet der Vater im Himmel auf jede/n der zu ihm zurück kehrt!

 


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