Vater & Sohn-Floßtour auf dem Klarälv in Mittelschweden
10. - 17. Juli 2010


Sich einfach mal treiben lassen – für manche wünschenswertes Ideal eines Urlaubs, für andere Lebensmotto? 25 Väter und Söhne aus Sachsen und Thüringen / haben es ausprobiert - vier Tage lang auf dem längsten Fluss Skandinaviens. Und gleich vorab: Es funktioniert so (einfach) nicht! Mann muss schon etwas tun, um anzukommen. Und das will Mann ja, z. B. am Ufer zum Übernachten oder Einkaufen, im Camp - Zielpunkt der Floßtour (wo die Autos stehen). Und am Ziel des Lebens – wo liegt das eigentlich?

Vor dem Treiben herrschte selbiges beim Floßbau. Die Sache will gelernt sein, wollen die Freizeitflößer nicht vorzeitig untergehen. Entscheidend ist die Technik mit dem Tau und den intelligent zu schnürenden Knoten. Schließlich muss das rustikale Wasserfahrzeug am Ende der Tour gut zu demontieren sein. Im Grunde hängt alles an Seilen. Und den „rote Faden“ - den Flusslauf des Klarälven – müssen die Akteure anhand einer genauen Karte im Auge behalten. Schließlich muss man(n) wissen, wo man(n) sich befindet!.

Die Crew aus sechs bis sieben Jungen und Männern hat auf dem Wasser (und an Land ebenso) allerhand zu tun. Nicht nur der Flusslauf ist zu beobachten, das Floß ist in der Strömung, jedoch möglichst abseits des Ufers und überhängender Bäume zu halten. Und wer an Land will, muss weitsichtig dafür geeignete Plätze erspähen und rechtzeitig der Strömung entkommen. Mit Ruder (in diesem Fall Paddel) und abgestimmtem Einsatz gut verteilter Männerkräfte gelingt das meist. Wer aber den richtigen Zeitpunkt verpasst, treibt unweigerlich am angepeilten Ziel vorbei! Gut, wenn andere schon am richtigen Platz angekommen sind, das Ende eines schon festgezurrten Seils herüberreichen und so ein kräftezehrendes, aber erfolgreiches Anlegemanöver ermöglichen. Entsprechender Muskeleinsatz ist auch gefragt, wenn das auf einer Sandbank festsitzende Flussfahrzeug wieder flott gemacht werden muss. Leider sind Untiefen schlecht vorherzusehen.

Auf dem Floß ist die Besatzung dem Wetter ausgeliefert – der Sonne und dem Wind genauso wie
dem (Dauer-)Regen. Zelte, die vom Sturm gebeutelt und im Gewitter durchnässt sind, zwingen zur Suche eines trockenen Platzes für die nächste Nacht. Die Rettung ermöglichte eine schwedische Familie in einer Siedlung am Flussufer. Sie stellte ihr gerade im Umbau befindliches altes Bauernhaus ganz „selbstverständlich“ für eine Nacht der wildfremden, durchnässten Männertruppe zur Verfügung. Das war wie Weihnachten! Vielleicht noch etwas mehr, denn vor 2000 Jahren bat „nur“ ein hoffnungsfrohes Paar um Quartier.

Dennoch – während ruhiger Abschnitte auf den schwimmenden Stämmen gibt es unvergessliche Eindrücke der nordischen Natur, so die still dahin gleitenden Flöße im Morgennebel. Ausgerechnet zur Ankunft am Zielpunkt setzte (wieder) intensiver Regen ein. Trotzdem mussten das Gepäck von Bord in trockene Sicherheit gebracht und die Flöße zerlegt werden (intelligente Knoten!). Mancher musste dazu ins (tiefe) Wasser. Der kaum mehr zu erwartende abendliche Sonnenschein entschädigte für diese letzte feuchte Aktion.

Zwei Tage mit Auto und Fähre – sowohl bei An- auch Abreise - führten am Ende zur Abschiedsandacht in die Autobahnkirche Brehna. Von dort ist es für alle nicht mehr weit bis nach Hause, das aktuelle Ziel jedes Teilnehmers. Menschen haben immer Punkte vor Augen, die sie ansteuern (müssen). „Der Weg ist das Ziel“, ist eher ein Verlegenheitsausspruch. Nur wenn ich (m)ein Ziel kenne, finde ich den Weg. Wir freuen uns, wenn wir heimkommen (können). Wir kennen uns dort aus, wir werden (hoffentlich!) erwartet, es ist dort behaglich, wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Das gilt auch für das Ende der Lebenstour. Wo liegt dieses Zuhause? Wer sich nur treiben lässt, wird nicht dort ankommen.

Text und Fotos: Thomas Lieberwirth


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