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„Das konnte ich mir gleich denken.“ Die
Hüttenwirtin des Furtschaglhaus’
streut mit diesem Kommentar „Salz in die Wunden“ der Männertruppe.
Was war passiert?
Es ist Freitag der 10.9., morgens 5.00 Uhr. Ein Handy klingelt. Jemand
macht das Licht an. Nach und nach schälen sich 18 Männer aus ihren
Schlafsäcken. Geredet wird kaum ein Wort, dennoch wird es laut – hier
stolpert einer über einen Rucksack, dort fällt klirrend ein Eispickel zu
Boden, ansonsten rascheln die Schlafsäcke, die alle verstaut
werden wollen. Schließlich findet man sich zum gemeinsamen Kaffeetrinken
im gemütlichen Gastraum der Berghütte ein. Während des Frühstücks
wandern die Blicke und Gedanken immer wieder zum Fenster hinaus – wie
wird das Wetter? Die Tage zuvor hat es geschneit, und noch immer hängen
dicke Wolken über den Berggipfeln. Der Hüttenwart macht uns Mut – „Ich
denke es zieht auf“. Also dann frisch ans Werk! Der Große
Möseler soll am Schluss der Woche in unser Tourenbuch
kommen. Sechs Uhr ist Aufbruch. Der Weg ist gut. Mit zunehmender Höhe
laufen wir im Schnee. Nach anderthalb Stunden ist der Anseilplatz
erreicht. Hüftgurt angelegt, Steigeisen ran, Seil einklinken, Pickel in
die Hand und schon ziehen drei Seilschaften los. Wir kommen zügig auf dem
Gletscher voran. Der Einstieg zum Grat ist schon zum Greifen nah, da
versperren uns Gletscherspalten den Weg. Wir müssen eine tragfähige
Eisbrücke finden. Aber da ist der Neuschnee! Ich prüfe mit dem Pickel
und steche leider immer wieder nur durch! Wir versuchen es an einer Spalte
50 m höher – das gleiche Elend. Dann zieht der Himmel zu. Wir sind froh
unsere eigene Spur als Rückzugsmöglichkeit zu haben. Wir beraten. Ein
zweiter Versuch auf einer etwas weiter unten liegenden Linie soll
gestartet werden. Abstieg, Aufstieg, aber schon bald wird deutlich, auch
hier geht es heute nicht weiter. Der Neuschnee verdeckt all die
gefährlichen Falltüren in die Tiefe. Wir „begraben“ den Gedanken an
den Großen Möseler.
Nun wollen wir uns wenigsten noch ein „Pass-Erlebnis“ gönnen. Das
bedeutet, den Gletscher zu queren, um auf die neue Route zu kommen.
Manchen Meter gehen wir nun schon zum dritten Mal! Als wir uns
schließlich durch Blockgestein und über dünne Schneebrücken kämpfen,
scheint das Wetter vollends umzuschlagen. Dicke Wolkensuppe wabert um uns
her, es beginnt feiner Eisregen. Eine Seilschaft sagt: „Das macht keinen
Sinn mehr, wir kehren um!“ Natürlich haben sie recht, aber ich weiß
auch um die Frustration bei einer Umkehr. Ich versuche zu argumentieren,
aber das Wetter spielt mir zu diesem Zeitpunkt nicht in die Karten. Etwas
bedrückt treten wir allesamt den Rückweg an. Das Wetter wird zeitweise
besser. Wir können dadurch die Passroute sehen. Dort kommt eine
Seilschaft ebenfalls an einer Gletscherspalte nicht weiter. Deren erneuter
Versuch entzieht sich unseren Augen durch erneute Wolkeninvasion. Gegen
Mittag sitzen wir wohlbehalten bei Bier oder Kaffee in der Hütte.
Auf dem Hüttenabstieg wird es sonnig – aber der Berg bleibt in Wolken
verhüllt. Ich beende den Abstieg mit einem „Frust- Schrei“ und dem
Bedauern für diesen Tag die falsche Tour in Angriff genommen zu haben,
aber wer konnte das – außer der Hüttenwirtin (!) - schon wissen?
Die Alpinwoche bot aber auch richtige Erfolgserlebnisse. Eins davon war
gleich zu Beginn die traumhafte Tour auf den Schwarzenstein.
Wir bestiegen ihn über die Berliner
Hütte. Dort stimmte das Wetter, wie im Hintergrund zu
sehen. Der Preis der Elf-Stunden-Tour war ein mächtiger Muskelkater für
die nächsten zwei Tage. Aus wettertechnischen Gründen waren wir gleich
„aus der Kalten heraus“ gestartet. Demzufolge mussten wir es die Tage
darauf etwas langsamer angehen lassen. Das kam unserer Gemeinschaft und
den intensiven Bibelarbeiten zu Gute. Motto: „Dem Himmel und Gott
ganz nah“.
Am übernächsten Tag, dann schon wieder zu Hause in Sachsen, vermelden
die Nachrichten einen tödlichen Absturz einer sächsischen Bergsteigerin
in „unserem Bergrevier“. Da ahne ich, dass wir es doch nicht ganz
falsch gemacht hatten.
Hartmut Günther
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