Lückendorf 07.-11. April 2010


Familie ist wie ein Zelt, später wie ein Pavillon

Wie ein Maulwurf mit Taschenlampe unter der Erde kriechen, mit Schubkarre auf Wallfahrt gehen, aus einem Holzklotz und etwas Draht einen Familienstammbaum basteln. Dies und weitere kreative Aktionen haben 25 Kinder und 20 Erwachsene bei der Familienrüstzeit in Lückendorf im Zittauer Gebirge erlebt. Geleitet wurden die vier gemeinsamen Tage unter dem Thema „Familiengeschichte(n)“ von Hartmut Günther und Karsten Schriever, beide Reisesekretär der Männerarbeit der Landeskirche Sachsens.
Anhand der biblischen Geschichte um Josef und seine Brüder wurde in drei verschiedenen Altersgruppen gemalt, erzählt und hinterfragt. Was passiert, wenn ein Kind der Liebling seiner Eltern ist, welche Nachteile bringt dieser Vorzug? Wie können Menschen nach einer Auseinandersetzung wieder Schritte aufeinander zu gehen? Während die Erwachsenen in einem Stuhlkreis saßen und sich über diese Fragen austauschten, lagen die Schulkinder wie ein Volk von Nomaden auf Matratzen. Die Vorschulkinder brachten noch mehr Bewegung ins Spiel. Sie stiegen mit Tüchern verkleidet in eine Schubkarre, kutschierten ums Rüstzeitheim und spielten die Szene praktisch nach, wie der Vater Jakob zu seinem Sohn Josef nach Ägypten gebracht wird. Die innige Umarmung war Ausdruck der Wiedersehensfreude nach vielen Jahren Trennung.
Umarmen und miteinander kuscheln – das waren auch die häufigsten Antworten der Kinder auf die Frage: Was mag ich an Mama und Papa? Ebenso wichtig ist es für sie, gemeinsam zu spielen und etwas zu unternehmen, Freunde zu besuchen und wenn nötig getröstet zu werden. Ein Junge freute sich, dass „meine Eltern nicht mehr so viel meckern, je älter ich werde, mir mehr zutrauen“.

Wie viel sich Eltern und Kinder zutrauen, konnten sie auf dem Abenteuerspielplatz der Kulturinsel Einsiedel ausprobieren. Im Zauberschloss half Papas Orientierungssinn, um den Eingang der Rutsche zu finden. In den unterirdischen Geheimgängen kamen die Zwerge mit einer Körpergröße von etwa einem Meter eindeutig bequemer vorwärts.
Bei den Freizeitangeboten konnten Kinder und Eltern ihr Zusammenspiel testen. Zum Beispiel indem sie beim Geländespiel Geld in Sicherheit brachten, beim Unihockey den Ball ins Tor buchsierten, beim Stadtspiel in Zittau einen Fotoausschnitt wiedererkannten, gemeinsam ein Familienbrettspiel bauten und ausprobierten.
Ein großes Schwungtuch diente als Spielgerät im Garten und sorgte zudem für ein eindrückliches Bild beim Familiengottesdienst zum Abschluss der Rüstzeit. Alle kleinen und großen Teilnehmer stellten sich unter das bunte Tuch, und Hartmut Günther ermutigte sie, unter dem Dach der Familie zu bleiben, dort Liebe und Geborgenheit zu leben. „Erst ist die Familie wie ein Zelt, für Babys und Kinder gibt sie rundum Sicherheit“, sagte der Reisesekretär in seiner Predigt. „Später, wenn die Kinder größer werden, sollte Familie sein wie ein Pavillon, der mehr Freiheit lässt.“

 

Kerstin Rudolph
Fotos: Karsten Schriever


>> Bilder

home <<

zur Startseite der Männerarbeit