Wie
ein Maulwurf mit Taschenlampe unter der Erde kriechen, mit Schubkarre auf
Wallfahrt gehen, aus einem Holzklotz und etwas Draht einen
Familienstammbaum basteln. Dies und weitere kreative Aktionen haben 25
Kinder und 20 Erwachsene bei der Familienrüstzeit in Lückendorf im
Zittauer Gebirge erlebt. Geleitet wurden die vier gemeinsamen Tage unter
dem Thema „Familiengeschichte(n)“ von Hartmut Günther und Karsten
Schriever, beide Reisesekretär der Männerarbeit der Landeskirche
Sachsens.
Anhand der biblischen Geschichte um Josef und seine Brüder wurde in drei
verschiedenen Altersgruppen gemalt, erzählt
und hinterfragt. Was
passiert, wenn ein Kind der Liebling seiner Eltern ist, welche Nachteile
bringt dieser Vorzug? Wie können Menschen nach einer Auseinandersetzung
wieder Schritte aufeinander zu gehen? Während die Erwachsenen in einem
Stuhlkreis saßen und sich über diese Fragen austauschten, lagen die
Schulkinder wie ein Volk von Nomaden auf Matratzen. Die Vorschulkinder
brachten noch mehr Bewegung ins Spiel. Sie stiegen mit Tüchern verkleidet
in eine Schubkarre, kutschierten ums Rüstzeitheim und spielten die Szene
praktisch nach, wie der Vater Jakob zu seinem Sohn Josef nach Ägypten
gebracht wird. Die innige Umarmung war Ausdruck der Wiedersehensfreude
nach vielen Jahren Trennung.
Umarmen und miteinander kuscheln – das waren auch die häufigsten
Antworten der Kinder auf
die Frage: Was mag ich an Mama und Papa? Ebenso
wichtig ist es für sie, gemeinsam zu spielen und etwas zu unternehmen,
Freunde zu besuchen und wenn nötig getröstet zu werden. Ein Junge freute
sich, dass „meine Eltern nicht mehr so viel meckern, je älter ich
werde, mir mehr zutrauen“.
Wie viel sich Eltern und
Kinder zutrauen, konnten sie auf dem Abenteuerspielplatz der Kulturinsel
Einsiedel ausprobieren. Im Zauberschloss half Papas Orientierungssinn, um
den Eingang der Rutsche zu finden. In den unterirdischen Geheimgängen
kamen die Zwerge mit einer Körpergröße von etwa einem Meter eindeutig
bequemer vorwärts.
Bei den Freizeitangeboten konnten Kinder und Eltern ihr Zusammenspiel
testen. Zum Beispiel indem sie beim Geländespiel Geld in Sicherheit
brachten, beim Unihockey den Ball ins Tor buchsierten, beim Stadtspiel in
Zittau einen Fotoausschnitt wiedererkannten, gemeinsam ein
Familienbrettspiel bauten und ausprobierten.
Ein großes Schwungtuch diente als Spielgerät im Garten und sorgte zudem
für ein eindrückliches Bild beim Familiengottesdienst zum Abschluss der
Rüstzeit. Alle kleinen und großen Teilnehmer stellten sich unter das
bunte Tuch, und Hartmut Günther ermutigte sie, unter dem Dach der Familie
zu bleiben, dort Liebe und Geborgenheit zu leben. „Erst ist die Familie
wie ein Zelt, für Babys und Kinder gibt sie rundum Sicherheit“, sagte
der Reisesekretär in seiner Predigt. „Später, wenn die Kinder größer
werden, sollte Familie sein wie ein Pavillon, der mehr Freiheit lässt.“
Kerstin Rudolph
Fotos: Karsten Schriever