Vater & Sohn-Segel-Rüstzeit 
auf dem Segelschiff „Storebaelt“ im holländischen Wattenmeer 
vom 03. bis 11. Juli 2009



Zugegeben: so ganz neu waren die Ufer nicht, die sächsische Männer mit der allzu gut vertrauten „Storebaelt“ ansteuerten. In gewisser Weise sind die Gewässer und Gestade für Hollands Segelschiffe „überschaubar“. Wer das erste Mal an Bord ist, den umfängt das ungewohnte, maritime Flair. Und zu entdecken gibt’s allemal viel Neues. Auch die „alt gedienten“ Seemänner Sachsens gewannen durchaus neue Eindrücke. Beispielsweise bei einer meisterlichen Einfahrt des Skippers samt Anlegemanöver im viel zu kleinen und schon völlig „zugeparkten“ Hafen von Vlieland. In einem Zug vom Meer durch die schmale Einfahrt an die letzte freie Lücke, die viel zu klein schien. Die versammelten Besatzungen der schon vertäuten Schiffe sparten nicht mit lauter Anerkennung für Theo, den Kapitän unseres Segelschiffs. Weniger glücklich war er einen Tag später: Segeln zwar mit erfreulich starkem Wind, aber dafür mit offensichtlich „mörderischen“ Zahnschmerzen hielten seine Freude am Törn sichtlich in Grenzen. Bedauerlicherweise fand er nicht schon im nächsten Hafen auf Terschelling, sondern erst am übernächsten Tag Hilfe – auf dem Festland! Manchmal kommt es eben richtig „dicke“!

Insofern hatte des Thema durchaus seine sehr hintergründige Bedeutung: Vom Jungen bis zum „gestandenen“ Mann - alle mussten auf einem wenig vertrauten Verkehrsmittel neue Handgriffe gemeinsam ausführen lernen. Und zudem das Ganze auf Kommando - des Skippers bzw. Bootsmanns!
Auch die alltäglichen Arbeiten zum eigenen Wohl an Bord verlangten ganze Kerle. Das betraf die Küche genauso wie das Klo! Letzteres erforderte auf Grund eines technischen Defekts wiederholt einen beherzten Griff in selbiges. Der sonst wenig druckreife Ausruf mit „Sch...“ war weder zu vermeiden noch deplaziert. Zum Glück wurde es kein Urteil über die ganze Reise.

Was bedeutet das geflügelte Wort von der „christlichen Seefahrt“? Die Antwort könnte in dem Sprichwort liegen: „Auf hoher See und vor Gott sind alle Menschen gleich.“ Mann ist - den Elementen aufgeliefert und fern des üblichen Alltagstrubels - viel eher bereit, Existenzfragen zu bedenken und sich darüber mit seinesgleichen auszutauschen. Und die Söhne befanden in einer Diskussion unter sich, dass die Väter zu wenig Annerkennung für sie übrig haben. „Nicht kritisiert ist genug gelobt“, scheint nach wie vor das gängige Erziehungsmotto vieler Männer zu sein. Wie aber soll sich ein Junge fürs Leben orientieren, wenn die Rückmeldung seines väterlichen Vor-Bildes in der Regel nur aus Kritik besteht?
Manchem Vater wiederum brannten Fragen unter den Nägeln wie zu reagieren ist, wenn z. B. die eigenen erwachsenen Kinder in unverbindlichen Zweier-Gemeinschaften mit Freund oder Freundin zusammenziehen?
Und kaum überraschen kann die Frage manch älteren Mannes nach dem eigenen– meist schon verstorbenen – Vater. Das ist und bleibt ein Lebensthema!

Wer ins Boot steigt und segeln will, braucht Wind, Flaute ist „tödlich“. Aber der Wind weht, wo er will. Das leuchtet nicht jedem gestandenem (frommen) Mann gleich ein. So diskutiert Nikodemus mit Jesus darüber, wie frischer Wind in sein Leben kommen kann. Ein Thema für viele jüngere und ältere Männer, die den Kurs fürs Leben noch nicht gefunden haben. Wie leicht gerät da einer in Gefahr z. B. an der Steilküste. Gerade deshalb ist die Seefahrt auf gutes Licht für gute Sicht angewiesen. Dadurch lassen sich die eigene Position bestimmen und der richtige Kurs halten. So hört sich die „Tatsachenentscheidung“ Jesu „Ihr seid das Licht der Welt“ einleuchtend an! Aber wie ist das Licht des Lebens von Irrlichtern zu unterscheiden?
Die Weltreise soll schließlich nicht im Schiffbruch enden, sondern im Zielhafen.
Den erreichten wir diesmal einen Tag eher als für die Heimfahrt mit dem Bus nötig war. Jedoch ein aufziehender Sturm ließ keine andere Möglichkeit, wenn die Truppe nicht auf der Insel Terschelling festsitzen wollte. Denn ab Windstärke Acht sind für Freizeitsegler die Segel zu streichen, der nächste Hafen muss angesteuert werden. Das ist nicht unbedingt die Erfüllung. Aber besser den Hafen im Schiff (zu) früh heil erreichen, als zu spät (oder nie)!

Text: Thomas Lieberwirth 
Fotos: Thomas Lieberwirth, Peter Girke

 


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