Tochter-Vater-Wanderreiten auf dem Osterzgebirgskamm 
vom 28. bis 30. August 2009


Ich denk`, ich wär ein Pferd

Pferde haben den größeren Kopf, darum soll man ihnen das Denken überlassen. Dennoch kann es nichts schaden, dass sich ein Mann ab und zu mal „einen Kopf macht“.
Was dabei herauskommen kann angesichts einer Wandertour „hoch zu Ross“, ist durchaus nachdenkenswert. Das Pferd - auch nur ein Mensch? So traben Jörg Dießler und Hendrik Rottluff auf ungewöhnliche Weise durch die Prärie männlicher Gedanken. Und wer will, steigt mit auf (oder ein)...

Hallo, Ihr Cowboys! - von Jörg Dießler, Reinhardtsgrimma -

Ich dachte mir: Pferde sind wie Menschen. Am liebsten rennen sie ohne Verantwortung und Last auf der Koppel herum, fressen, saufen, spielen und necken sich. Zum Dienst gehen sie nur, wenn es unbedingt sein muss.
Nach dem Ritt dachte ich: Bist du nicht leichtsinnig – steigst auf ein Tier. Ich vertraue dem Pferd mein Leben und das meiner Tochter an. Umgekehrt vertraut das Tier mir (blind), meiner Führung und Herrschaft.
Als ich so darüber nachsinne, kommt mir der Gedanke: Ist Reiten nicht ein Sinnbild für geistliche Realitäten? Gott hat den Menschen beauftragt über die Tiere zu herrschen (1.Mose 1, 26-29). Ich finde: beim Reiten und beim Verhältnis Mensch - Pferd kommt diese Gott gewollte Herrschaft wunderbar zur Geltung. Das Tier wird gepflegt, erzogen, trainiert, geliebt. Der Mensch spricht mit dem Pferd und nimmt sich viel Zeit dafür.
Wenn etwas total Böses – z. B. ein Amoklauf - geschieht, fragt man sich: "Welcher Teufel hat den denn geritten?" Der Mensch ohne Bindung an Gott kommt mir vor wie ein Wildpferd. Das will seine eigenen Wege gehen, liebt seine Freiheit, will sich nicht unterwerfen. Andererseits kann es als Reit- und Zugpferd dienen. So wie sich der Reiter sein Tier aussucht, so sucht sich auch Gott seine "Rosse" aus, „fängt sie sich ein.“
Ja, Menschen lassen sich „Zügel ins Maul legen“ und einen Sattel auf den Rücken binden. Entscheidend ist, wer reitet?! Wenn einer Christ ist, bedeutet das, er willigt ein, dass der Sohn Gottes, Jesus, im Sattel sitzt.
Am ersten Tag saß ich zwar im Sattel, aber das Pferd trabte, wie es wollte. Wenn es saftige Blätter entdeckte, blieb es stehen und fraß. Dann wieder rannte es los... Auf meine Worte und Signale über den Zügel reagierte es anfangs kaum. Ich dachte an mein christliches Leben: ich habe zwar Jesus als „Reiter“ angenommen, aber oft will ich selbst das Tempo oder die Richtung bestimmen. Und schwierige Wege scheue ich.
Freude machte mir das Reiten erst am zweiten Tag. Da begann „mein“ Pferd auf meine Befehle zu reagieren.
Der Vergleich Pferd - Reiter und mit Mensch - Gott hinkt, klar. Aber wenn ich überlege, was ich von Gottes Wegen weiß, dann ist das wahrscheinlich auch nicht mehr, als ein Pferd von den Plänen seines Reiters versteht. Ich sehe den Weg vor meinen Füßen, und wenn ich aufmerksam bin, nehme ich die Signale meines Herrn wahr.

Wertschätzung - von Hendrik Rottluff, Chemnitz -

Es ist wieder einmal ein leider so seltener Augenblick.
Ich trödle durch die Wohnung. Die Kinderzimmertüren stehen offen. Mein Blick schweift über den Schreibtisch meiner Tochter. Da sehe ich eine Karte mit wunderschönen leuchtenden Sonnenblumen und drei Wörtern:
DU BIST WERTVOLL!
Das erinnert mich an unser gemeinsames Wochenende, das erste mit meiner Tochter Luise. Gemeinsam mit acht weiteren Vätern und deren Töchtern haben wir Ende August drei Tage allein miteinander verbracht. Nichts Außergewöhnliches. Allerdings waren wir die meiste Zeit auf Pferden unterwegs. Einige der jungen Damen waren der Reiterei mächtig, sahen im Sattel sehr graziös aus. Bei Vätern war es zwar auch ein „cooler Anblick“, da sie eigentlich alles können - außer reiten. Luise meinte jedenfalls zu Hause, mein Pferd und ich hätten gut zusammen gepasst. Naja, wir essen beide sehr gern und waren uns sofort sympathisch.
Nach vier Stunden (und mehr) im Sattel, für manchen mit einigen Hindernissen (z.B. bei lockerem Sattel), melden sich männliche Problemzonen. Ich jedenfalls habe noch gut zwei Tage meine Schenkel sehr eindringlich gespürt.
Die erste Übernachtung im Osterzgebirge war im Zelt bei schon niedrigeren Temperaturen. Da entsteht Nähe, die einem Vater die Brust anschwellen lässt. Und ich denke zurück an Gespräche mit fremden Vätern am Lagerfeuer, die sich plötzlich ganz nah sind und sofort gut verstehen. Sehr eindrucksvoll war für mich der zweite Abend, als Väter über Kindheitserlebnisse und die Beziehungen zu ihren Eltern erzählten. Da haben die Töchter gespannt zugehört.
Jeder Tag begann mit einer Andacht vorm Frühstück. Im Anschluss ging es für die eine Gruppe mit dem Pferd quer durch die Natur, während der andere Teil mit dem Kremser auf der Landstraße kutschierte. Die (ausgiebige) Mittagsrast war der Zeitpunkt zum Reiter(innen)wechsel. Nach Rückkehr aus den tschechischen Waldgebieten feierten wir einen Abschlussgottesdienst.
„Du bist wertvoll“ - diese Wörter waren für mich persönlich an diesem Wochenende ganz wichtig.
Für Gott ist jeder wertvoll: Tochter und Vater. Egal, ob man reiten kann oder nicht, vielleicht mal aus dem Sattel fällt. Ich bin für Gott wertvoll. Das macht mich froh, da fühle ich mich geborgen.
Ich danke Gott für dieses Wochenende mit meiner Tochter, für eine wunderbare Gemeinschaft unter Vätern, für einen sehr geduldigen Frieder Domke als Reitlehrer. Und natürlich ein herzlicher Dank auch an Karsten Schriever von der Männerarbeit-Sachsen.
Übrigens - gut, dass ein Westernsattel vorn in der Mitte einen Knauf zum "Festhalten" hat ... !
(Der ist aber für’s Lasso, jeder Cowboy hält sich allein mit den Beinen im Sattel. Anm. von K. Schriever)


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