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Ich
denk`, ich wär ein Pferd
Pferde haben den größeren Kopf, darum
soll man ihnen das Denken überlassen. Dennoch kann es nichts schaden,
dass sich ein Mann ab und zu mal „einen Kopf macht“.
Was dabei herauskommen kann angesichts einer Wandertour „hoch zu Ross“,
ist durchaus nachdenkenswert. Das Pferd - auch nur ein Mensch? So traben
Jörg Dießler und Hendrik Rottluff auf ungewöhnliche Weise durch die
Prärie männlicher Gedanken. Und wer will, steigt mit auf (oder ein)...
Hallo, Ihr Cowboys! -
von Jörg Dießler, Reinhardtsgrimma -
Ich dachte mir: Pferde sind wie Menschen.
Am liebsten rennen sie ohne Verantwortung und Last auf der Koppel herum,
fressen, saufen, spielen und necken sich. Zum Dienst gehen sie nur, wenn
es unbedingt sein muss.
Nach dem Ritt dachte ich: Bist du
nicht leichtsinnig – steigst auf ein Tier. Ich vertraue dem Pferd mein
Leben und das meiner Tochter an.
Umgekehrt vertraut das Tier mir (blind), meiner Führung und Herrschaft.
Als ich so darüber nachsinne,
kommt mir der Gedanke: Ist Reiten nicht ein Sinnbild für geistliche
Realitäten? Gott hat den Menschen beauftragt über die Tiere zu herrschen
(1.Mose 1, 26-29). Ich finde: beim Reiten und beim Verhältnis Mensch -
Pferd kommt diese Gott gewollte Herrschaft wunderbar zur Geltung. Das Tier
wird gepflegt, erzogen, trainiert, geliebt. Der Mensch spricht mit dem
Pferd und nimmt sich viel Zeit dafür.
Wenn etwas total Böses – z. B. ein Amoklauf - geschieht, fragt man
sich: "Welcher Teufel hat den denn geritten?" Der Mensch ohne
Bindung an Gott kommt mir vor wie ein Wildpferd. Das will seine eigenen
Wege gehen, liebt seine Freiheit, will sich nicht unterwerfen. Andererseits
kann es als Reit- und Zugpferd dienen. So wie sich der Reiter sein Tier
aussucht, so sucht sich auch Gott seine "Rosse" aus, „fängt
sie sich ein.“
Ja, Menschen lassen sich „Zügel
ins Maul legen“ und einen Sattel auf den Rücken binden.
Entscheidend ist, wer reitet?! Wenn einer Christ ist, bedeutet das, er
willigt ein, dass der Sohn Gottes, Jesus, im Sattel sitzt.
Am ersten Tag saß ich zwar im
Sattel, aber das Pferd trabte, wie es wollte. Wenn es saftige Blätter
entdeckte, blieb es stehen und fraß. Dann wieder rannte es los... Auf
meine Worte und Signale über den Zügel reagierte es anfangs kaum. Ich
dachte an mein christliches Leben: ich habe zwar Jesus als „Reiter“
angenommen, aber oft will ich selbst das Tempo oder die Richtung
bestimmen. Und schwierige Wege scheue ich.
Freude machte mir das Reiten erst am zweiten Tag. Da begann „mein“
Pferd auf meine Befehle zu reagieren.
Der Vergleich Pferd - Reiter und mit Mensch - Gott hinkt, klar. Aber wenn
ich überlege, was ich von Gottes Wegen weiß, dann ist das wahrscheinlich
auch nicht mehr, als ein Pferd von den Plänen seines Reiters versteht.
Ich sehe den Weg vor meinen Füßen, und wenn ich aufmerksam bin, nehme
ich die Signale meines Herrn wahr.
Wertschätzung
- von Hendrik Rottluff, Chemnitz -
Es ist wieder einmal ein leider so seltener
Augenblick.
Ich trödle durch die Wohnung.
Die Kinderzimmertüren stehen offen. Mein Blick schweift über den
Schreibtisch meiner Tochter. Da sehe ich eine Karte mit wunderschönen
leuchtenden Sonnenblumen und drei Wörtern:
DU
BIST WERTVOLL!
Das erinnert mich an unser
gemeinsames Wochenende, das erste mit meiner Tochter Luise. Gemeinsam mit
acht weiteren Vätern und deren Töchtern haben wir Ende August drei Tage
allein miteinander verbracht. Nichts Außergewöhnliches. Allerdings waren
wir die meiste Zeit auf Pferden unterwegs. Einige der jungen Damen waren
der Reiterei mächtig, sahen im Sattel sehr graziös aus. Bei Vätern war
es zwar auch ein „cooler Anblick“, da sie eigentlich alles können -
außer reiten. Luise meinte jedenfalls zu Hause, mein Pferd und ich
hätten gut zusammen gepasst. Naja, wir essen beide sehr gern und waren
uns sofort sympathisch.
Nach vier Stunden (und mehr) im Sattel,
für manchen mit einigen Hindernissen (z.B. bei lockerem Sattel), melden
sich männliche Problemzonen. Ich jedenfalls habe noch gut zwei Tage meine
Schenkel sehr eindringlich gespürt.
Die erste Übernachtung im Osterzgebirge
war im Zelt bei schon niedrigeren Temperaturen. Da entsteht Nähe, die
einem Vater die Brust anschwellen lässt. Und ich denke zurück an
Gespräche mit fremden Vätern am Lagerfeuer, die sich plötzlich ganz nah
sind und sofort gut verstehen. Sehr eindrucksvoll war für mich der zweite
Abend, als Väter über Kindheitserlebnisse und die Beziehungen zu ihren
Eltern erzählten. Da haben die Töchter gespannt zugehört.
Jeder Tag begann mit einer Andacht vorm
Frühstück. Im Anschluss ging es für die eine Gruppe mit dem Pferd quer
durch die Natur, während der andere Teil mit dem Kremser auf der
Landstraße kutschierte. Die (ausgiebige) Mittagsrast war der Zeitpunkt
zum Reiter(innen)wechsel. Nach Rückkehr aus den tschechischen
Waldgebieten feierten wir einen Abschlussgottesdienst.
„Du bist wertvoll“ - diese Wörter
waren für mich persönlich an diesem Wochenende ganz wichtig.
Für Gott ist jeder wertvoll: Tochter und
Vater. Egal, ob man reiten kann oder nicht, vielleicht mal aus dem Sattel
fällt. Ich bin für Gott wertvoll. Das macht mich froh, da fühle ich
mich geborgen.
Ich danke Gott für dieses Wochenende mit
meiner Tochter, für eine wunderbare Gemeinschaft unter Vätern, für
einen sehr geduldigen Frieder Domke als Reitlehrer. Und natürlich ein
herzlicher Dank auch an Karsten Schriever von der Männerarbeit-Sachsen.
Übrigens - gut, dass ein Westernsattel
vorn in der Mitte einen Knauf zum "Festhalten" hat ... !
(Der ist aber für’s Lasso, jeder Cowboy
hält sich allein mit den Beinen im Sattel. Anm. von K. Schriever)
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