Männerarbeit der Ev.-Luth.
Landeskirche Sachsens
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Erlebnis Eisenbahn - Rüstzeit für Männer

30. September - 3. Oktober 2005 

auf dem Eisenbahn-Gelände des Löbauer Maschinenhauses


DER SONNTAG berichtet:
Dampf machen
Von einer Eisenbahnrüstzeit im Lokschuppen
Löbau – »Wir haben kein Werkzeug!« Ein Ruf hallt durch alte Gleisanlagen, zwischen Lokschuppen und Lagerhäuser hindurch, vorbei an Lokomotiven, Waggons, Triebwagen. Und er bleibt fast ungehört. Immerhin kreischen auf dem Löbauer Eisenbahngelände schon ab 10 Uhr am Sonnabendmorgen die Schleifmaschinen, ziehen Väter und Söhne Drahtbürsten kreischend über den Rost.
Joachim Haas und sein zwölfjähriger Sohn Johannes sind extra aus Baden-Württemberg gekommen, um mit anderen Christen eine alte Lok zu sanieren. Eingeladen zum Einsatz in Löbau hatte die Männerarbeit der sächsischen Landeskirche.
Die Männer und Jungs, die dort so fleißig werkeln, sind keine Vereinsmitglieder. 30 Bahnbegeisterte haben sich hier freiwillige zum Dienst angemeldet bei den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden. Sie trafen sich am verlängerten ersten Oktoberwochenende zu einer Eisenbahnfreizeit in Löbau.

Für Joachim Haas aus Baden-Württemberg sind die Loks das, was anderen der Fußball ist: »Die schönste Nebensache der Welt.« Betonung auf Nebensache, das ist dem Mann mit der dunklen Arbeitshose, dem Vollbart und der Schutzbrille auf der Nase wichtig. »Der Glauben, die Begegnung mit Christus und das Zusammensein mit anderen Menschen stehen an vorderster Stelle.« Deshalb sei er der Einladung zur Rüstzeit der Männerarbeit der sächsischen Landeskirche gefolgt. Sagt’s und schleift weiter den Rost von einer Rangierlok. Diese wollen die Teilnehmer – die meisten aus Sachsen – wieder auf Vordermann bringen. Über Joachim Haas, auf dem Kessel der Lok, »bürstet« sein zwölfjähriger Sohn Johannes. Ihm macht das Ganze einfach Spaß und er freut sich, dass noch andere Jungs in seinem Alter mit von der Partie sind. Die Jeans sind nach ein paar Minuten von Ölflecken und Roststaub überzogen. Aber über so etwas macht man sich als Bahnfan am allerwenigsten Gedanken.
Genächtigt haben die großen und kleinen Männer im Schlafwagen der Eisenbahnfreunde und im Lokschuppen. Die Freizeit unter dem Motto »Weichen stellen und Dampf machen für das Leben« war schnell ausgebucht, erinnert sich Mitorganisator Daniel Huth aus Obercunnersdorf bei Löbau. Der junge Pfarrer ist selbst Bahnfreund. Er muss vor allem fotografieren, zum Beispiel jetzt, wenn zwei Männer Metallplatten über ein Loch im Lokschuppen hieven. Dort soll am Sonntag der Gottesdienst stattfinden.

Doch vorher gehen die Männer auf Fahrt: mit historischer Lok nach Tschechien. Zwei dürfen vorn heizen, andere kellnern oder sorgen für Ordnung sorgen. Besonders die Heizerjobs seien sehr begehrt, so Pfarrer Huth.
Die Idee für dieses Wochenende ist ihm bei Eisenbahnfreizeiten in der Schweiz gekommen. Dort sind die Teilnehmer allerdings nur auf dem Gleis gereist und haben nicht geschuftet. Der Kontakt zu den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden war schnell hergestellt. Deren Chef, Alfred Simm, ist für solche Ideen immer zu begeistern. »Das hier ist ein Versuch für uns, mal sehen, wie es ankommt, wie es läuft«, sagt Huth. Er ist fasziniert: »Wir arbeiten hier mit einem Verein zusammen, der mit Glauben eigentlich nichts zu tun hat.«

Thomas Lieberwirth, Landesgeschäftsführer der Männerarbeit, kommt mit Drahtbürsten – direkt aus dem Baumarkt. Schnell haben die Werkzeuge Abnehmer gefunden. Im Lokschuppen wird langsam Platz geschaffen, es riecht nach Öl. Die Fenster sind blind, an den Wänden hängen Ruß und Staub aus alten Dampftagen. »Ohne Dampf kein Druck« soll Thema des Gottesdienstes werden.

Druck ausüben, dass muss Johannes Haas nun schon eine ganze Weile, und: »Das kostet ganz schön Kraft«. Aber von der Lok herunter bringt den zwölfjährigen Jungen so schnell erstmal nichts.
www.ostsaechsische-eisenbahnfreunde.de
 
Irmela Hennig
13.10.2005
DER SONNTAG - Ausgabe: 42-2005

 


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