Vater & Sohn Juli 2004
"Mit Paddel & Pedale"
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Vater & Sohn-Rüstzeit „Mit Paddel & Pedale“ vom 24.-31.7.2004 in Damm / Mecklenburg:

„Den müssen wir segnen!“!

28 Männer - darunter 11 Väter mit ebenso vielen Söhnen sowie ein Opa mit zwei Enkeln - standen am Rand einer schmalen einsamen Landstraße durch Mecklenburgs Felder. Gerade war die einzigste unerfreuliche Begegnung der Rüstzeitwoche mit einem verständnislosen jugendlichen BMW-Fahrer zu Ende gegangen. Ein paar Männer unterhielten sich über den Auslöser dieser Debatte: ein ziemlich rasantes Überholmanöver besagten Fahrers und entsprechende ärgerliche Reaktionen. Henning, ein stiller elfjähriger Junge, hörte gespannt zu, als die Erwachsenen einigermaßen verstimmt die Dreistigkeit des jungen PKW-Piloten diskutierten. Plötzlich sagte Hennig: „Den müssen wir segnen.“

Und das kam so: Am Morgen wurde - wie jeden Tag über die „Isaaks“ gesprochen, die aus dem alten Testament. Von besonderem Interesse dabei: Jakob - wie er seinen Bruder das Erbrecht abluchst, wie sich die Beziehungskisten in dieser Familie entwickeln und wie das alles enden sollte. Und dabei geht es immer wieder um „irgendwelchen“ Segen. Mal ist es der des alten, schlecht sehenden Vaters, mal ist es der Segen Gottes, mal ist es eine Mischung aus beidem. Egal - Hauptsache segnen! Und gerade am selben Vormittag hieß es: „Und Gott erschien Jakob abermals, ... , und segnete ihn ...“ Was also ist denn nun „Segen“ und „segnen“?

Die Beschäftigung mit diesem wichtigen Stichwort erbrachte: Segen ist nicht ein Lückenfüller für einfallslose Geburtstags-Gratulanten. Segen ist keine Zauberformel, mit der unter Garantie immer alles gelingt. Es die Bitte um Gottes Einflussnahme auf den oder die zu Segnenden. Wer denkt da nicht zuerst an Kinder (Markus 10, 16)? Aber das gilt - so eine Erkenntnis des Bibelgesprächs - besonders für „Problem-Personen“: die (mir) Schwierigkeiten machen sollen gesegnet werden (z. B. Römer 12, 14; 1. Petr. 3, 9). Denn die brauchen das, wenn sich etwas ändern soll (und offensichtlich nicht selten auch tut - meist zuerst bei den Segnenden!). Genau das hatte sich Hennig gemerkt - und sich bemerkenswert beim Streit mit dem forschen Fahrzeuglenker daran richtig erinnert. Die Männer jedenfalls nahmen es zunächst verblüfft, dann fröhlich lachend zur Kenntnis: genauso ist es!

Deswegen ist das Motto der Rüstzeit „Das kommt in den besten Familien vor ...“ mehrdeutig im besten Sinne: Bei uns geht es gelegentlich ähnlich zu wie bei „Isaaks“ - Parallelen zwischen den Familien der Bibel und heute sind gar nicht zufällig. Wer über Isaak, Rebekka, Esau und Jakob redet, spricht sehr schnell über die eigenen Eltern und Geschwister, oder?

Vom Segen Gottes leben Familien. Das gilt zuallererst für die Kinder - sie sind Gottes Segen. Das ist ein Gedanke, der in der heutigen Gesellschaft fast verloren gegangen ist, da Kinder meist als „Kostenfaktor“, „Armutsrisiko“ und „Problem-Bürger“ gelten.

Um diesen Mensch-gewordenen Segen drehten sich viele Gespräche gerade auch am späten Abend: „Was soll aus unseren Kindern werden?“ Da wurden Befürchtungen über die Zukunft der nächsten Generation besprochen, Erfahrungen in Sachen Berufsfindung ausgetauscht. Männer machen sich Sorgen, und sie suchen nach Lösungen. Einer berichtete, wie sein Sohn nach einem kurzen freiwilligen Praktikum in einer Tischlerei gemerkt hat, dass es doch nicht sein („Traum“-) Beruf ist. Ein andere wichtige Erfahrung in dieser Runde war: ein Betriebsleiter fände es problematisch, wenn eine jugendlicher im Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung überwiegend schweigend dasäße, während ausschließlich die Eltern mit dem Lehrherren sprechen würden. Gewiss, alles nichts spektakuläres. Aber ein Gespräch mit dem einen oder anderen nachdenkenswerten Tipp im wichtigen Austausch über die Verantwortung von Vätern!

Eine andere Facette im Programm war: Väter und Söhne suchen nach Wegen, wie sie besser aufeinander zugehen, einander verstehen und akzeptieren können. Da gibt es auf beiden Seiten Idealvorstellungen vom jeweils anderen. Wichtig ist aber, die „Stärken und Schwächen (!)“ des anderen annehmen zu können.

Väter waren mit ihren Söhnen unterwegs mit verschiedenen „Verkehrsmitteln, aber vor allem mit eigener Muskelkraft. Das ging mal in die Beine beim Radeln in Parchims Umgebung, mal in die Arme beim Paddeln auf der Elde. Vielleicht sogar ins Herz - als die Väter den Jungen die Hände zum Segen auflegten. Denn Segen ist konkreter, körperlich spürbarer Zuspruch des Beistandes und der Kraft Gottes bei erfreulichen und bei problematischen Anlässen. Das reicht von der Taufe bis zum Krankenbett. Schön, wenn das der eigene Vater „handgreiflich“ seinen Kindern nahe bringt. Das sollte (nicht nur) in den „besten“ Familien vorkommen, sondern am allerbesten möglichst in jeder!

Thomas Lieberwirth,
Landesgeschäftsführer der Männerarbeit


Männerarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

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